Kulturpate e.V. raumK


Home
E-Paper
Presse
Aktionen/Themen
Rund um die Kunst
Rund um die Musik
Rund ums Theater
Rund um die Literatur
Rund um den Film
Ausstellungen
Kleinkunst
CD-Besprechung
Buchbesprechung
Filmbesprechungen
Internetrezensionen
Interviews
Portr?ts
Art Edition
Poesie
Gastro Tipps
Messen
Art & Business
Wellness & Gesundheit
Web Links
?ber uns
Mitarbeiter
Referenzen
Partner
Mediadaten
Jobs
Praktika
raumK-Treff
Abonnement
UNDING des Monats
Newsletter abonnieren!
Name

E-Mail Adresse
Abonnieren
Abbestellen

Home arrow Interviews arrow Interview mit Peter Spuhler, Neuer Generalintendant des Badischen Staatstheaters
Interview mit Peter Spuhler, Neuer Generalintendant des Badischen Staatstheaters Drucken E-Mail

Peter Spuhler, geboren 1965 in Berlin, war von der Spielzeit 2005/2006 an Intendant am Theater und Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg, sowie von 2007 bis 2011 Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft. Seit der Spielzeit 2011/2012 nimmt er die Position des neuen Generalintendanten am Badischen Staatstheater Karlsruhe ein.

raumK: Sie waren seit 2005 Intendant in Heidelberg und leiteten zuvor das Landestheater Tübingen. Unter Ihrer Führung haben sich an beiden Standorten Zuschauerzahlen und Auslastung des Theaters verbessert. Denken Sie ähnliches auch am Staatstheater Karlsruhe leisten zu können?

Spuhler: Es ist richtig: Wir hatten an beiden Orten viele schöne Erfolg und konnten Rekordzahlen erreichen ? übrigens mit einem modernen, durchaus fordernden Programm. Wichtig waren uns Inhaltlichkeit und Qualität. Darauf werden mein Team und ich auch in Karlsruhe wieder setzen. Das Haus ist bereits jetzt sehr gut besucht. Verjüngung wäre ein Stichwort: Wir gründen ein JUNGES STAATSTHEATER und werden künftig das ganze Jahr hindurch Vorstellungen für Kinder und Jugendliche bieten. Wir machen Theater für Kinder ab 2 Jahren bis zum Alter von sechzehn, siebzehn, achtzehn, von Kinder- und Jugendkonzerten über Junge Oper und Ballett bis hin zu Stücken, die ins Klassenzimmer eingeladen werden können, ist alles dabei! Ich würde mich sehr freuen, wenn wir auch gerade jüngere Abonnenten hinzugewinnen würden.

raumK: Mit Ihrer neuen Aufgabe war auch das Ende Ihrer Amtszeit in Heidelberg verbunden. Haben Sie das Gefühl mit Ihrer Arbeit dort bereits abgeschlossen zu haben? Wie stand es um einen ?verantwortungsvollen Übergang??

Spuhler: Der gelingt sowohl mit meinem Vorgänger Achim Thorwald in Karlsruhe, dem ich sehr dafür danke, wie auch mit meinem Nachfolger Holger Schultze in Heidelberg. Die Veränderungen in den Ensembles des Schauspiels und der Oper am Staatstheater sind, gemessen an dem, was bei Intendantenwechseln üblich ist, ausgesprochen gering. Es gibt also ein Wiedersehn mit vielen vertrauten Gesichtern! Hinzu kommen Kollegen aus der ganzen Welt, darunter internationale Stars wie der Heldentenor John Treleaven; aber auch vielversprechende Absolventen der Hochschulen. Unser Ziel sind starke Ensembles und Künstler, die überregionales Interesse auslösen.

raumK: Ihre bisherige Karriere zeigt laut Wissenschaftsminister Peter Frankenberg ?dass Sie das Rüstzeug besitzen, welches für die Übernahme der Leitung des Badischen Staatstheaters erforderlich ist?. Haben Sie trotz des Vertrauenszuspruchs Bedenken im Bezug auf Ihre Intendantenzeit in Karlsruhe?

Spuhler: Jeder Intendantenwechsel ist Veränderung, umso mehr, wenn er mit einem Generationswechsel verbunden ist. Ich habe viel Respekt für meinen Vorgänger, und dennoch ist meine Sicht auf die Welt, auf Ästhetik und wichtige Themen, völlig anders. Das werden auch die Zuschauer bemerken. Ich denke, einige werden vielleicht gehen, wir werden andere hinzu gewinnen. Gezielt gehen wir übrigens mit dem Schulamt auf Schulen zu ? unser Ziel ist: jeden Karlsruher Schüler einmal im Jahr im Theater zu begrüßen. Für diesen organisierten Schulbesuch haben wir die Projekte ?Theaterstarter? und ?Enter? ins Leben gerufen und mit Claudia Gruber eine eigene Ansprechpartnerin engagiert, die unter 0721 / 72580918 zu erreichen ist. Interessierte Lehrer können sich gerne melden!

raumK: Das Motto welches Sie und Ihr Team für die neue Spielzeit ausgewählt haben lautet ?Du musst dein Leben ändern?. Was steckt dahinter?

Spuhler: Im Blick auf Japan und die Katastrophe, die dort passiert ist, ist uns doch (wieder einmal!) klar geworden: so wie es läuft, kann es nicht weitergehen. Wir haben es vielleicht immer schon gewusst ? aber wir tun zu wenig. Es ist sinnvoll innezuhalten, nachzudenken und Initiative zu ergreifen, denken Sie nicht? Und diese Veränderung muss bei einem selbst beginnen, um ehrlich zu sein, oder?! Unser Motto zitiert ein berühmtes Gedicht von Rilke, wo der Betrachter eines Kunstwerks eben zu diesem Entschluss kommt ? und es ist der Titel eines der jüngsten Bücher von Peter Sloterdijk, der freundlicherweise auch die Schirmherrschaft über unsere Spielzeit übernommen hat. Es ist also auch eine Verneigung vor dem wichtigen Karlsruher Philosophen und ein Zeichen der Partnerschaftlichkeit zu Institutionen wie dem ZKM oder der Hochschule für Gestaltung, um nur zwei von vielen beispielhaft zu nennen. ?Du musst Dein Leben ändern? ist übrigens das Motto für die gesamte Intendanz ? das Motto der ersten Spielzeit lautet: ?Von Helden?. Dahinter verbirgt sich die Frage, warum brauchen wir Helden und Heldinnen? Wer sind unsere Helden in der Wirklichkeit und in der Kunst. Was macht Heldentum aus ? das fragen wir in allen Sparten, bei Birgit Keil im Ballett ebenso wie im Konzertwesen bei Justin Brown und der Staatskapelle, die 2012 ein wichtiges Jubiläum feiert, im Schauspiel unter Schauspieldirektor Jan Linders wie in der Oper bei Operndirektor Joscha Schaback und dem Chefdramaturg und Leiter der Händel-Festspiele Bernd Feuchtner. Ich verstehe Theaterarbeit als Arbeit eines starken Leitungsteams.

raumK: Erstmals wird im Opernbereich mit John Parr ein Casting Direktor engagiert. Liegt Ihnen die Sängerförderung und -entwicklung besonders am Herzen?

Spuhler: Ja, unbedingt. Eine der großen Stärken des Karlruher Staatstheaters liegt in seinem ausgezeichneten Sängerensemble. Berühmte Namen haben hier ihre Karriere begonnen. John Parr wird sich besonders darum kümmern, dass unsere jungen Sänger Herausforderungen zum richtigen Zeitpunkt meistern und glänzen ? und die Älteren noch besser werden. Ich bin sehr froh, dass Justin Brown und ich ihn bewegen konnten, von der Oper in San Francisco zu uns zu kommen. Er wird auch eine eigene Liederabend-Reihe mit unseren Stars haben.

raumK: Sie planen sich künftig enger in die künstlerische und inhaltliche Planungsarbeit einzubinden und wollen ein Gesamtprofil für das Dreispartenhaus entwickeln. Wurden diese Aspekte unter der Führung Ihres Vorgängers Achim Thorwald vernachlässigt?

Spuhler: Nein, nicht vernachlässigt - da liegt einfach eine andere Theaterauffassung zugrunde. Ich will das nicht werten. Dreispartenhäuser (künftig werden es ja mit dem JUNGEN STAATSTHEATER vier oder mit dem Konzertwesen sogar fünf Sparten sein) sind eine einzigartige Errungenschaft der deutschen Theaterlandschaft. Die große Qualität dieser Theater liegt darin, dass Tänzer, Sänger, Schauspieler, die Leiter der Sparten und die Inszenierungsteams alle unter einem Dach arbeiten. Dass diese dann am besten, interessantesten und visionärsten sind, wenn sie sich verbünden und zusammen etwas auf die Beine stellen, ist klar! Achim Thorwald hat im Übrigen selbst inszeniert, das werde ich nicht tun ? ich inszeniere das Haus.

raumK: Kunstsekretär Dietrich Birk nannte Sie einen ?künstlerischen Visionär?. Wie sehen Ihre Visionen für das Badische Staatstheater im Hinblick auf Team und Spielpläne aus?     

Spuhler: Meine Vision wäre: Ensembles in Oper, Tanz, Schauspiel, Inszenierungsteams und Inszenierungen, die von sich reden machen. Eine Vielfalt der Handschriften. Zeitgenossenschaft, die wichtig genommen wird. Ein vitales JUNGES STAATSTHEATER mit ausreichender öffentlicher Finanzierung. Theater und Konzerte für Menschen von 2-102 Jahren. Mit Themen und Werken, die den Menschen unter den Nägeln brennen. Leidenschaftlichkeit und Mut. Ein gut vernetztes, für viele Partner in Karlsruhe und Umgebung freundschaftliches und unverzichtbares Haus. Offenheit und Ansprechbarkeit von allen Mitarbeitern. Ein Gebäude, das zukunftssicher ist und allen modernen Anforderungen hinsichtlich Barrierefreiheit und Umweltschutz genügt. Nachdenken über ein Theater von Morgen.
Den aufregenden, vielfältigen und Spielplan der ersten Spielzeit finden Sie unter www... Dort sehen sie auch alle vertrauten und neuen Künstler! Das Spielzeitheft liegt ab jetzt im Theater aus und kann kostenlos mitgenommen werden. Ganz besonders an Herz lege ich Ihnen das Theaterfest  am 17.9., unser Volkstheater-Projekt 100 PROZENT KARLRUHE und das 1. KARLRUHER DRAMATIKERFESTIVAL am 1. Und 2.10. sowie die Operneröffnung mit der Ausnahme-Oper DIE TROJANER von Hector Berlioz am 15.10., die man sich nicht entgehen lassen sollte. (bb/tm)

Nr. 105/2011

< zurück   weiter >

einfach.alles.finden

Kunstraum Neureut

RAUMK - KULTURZEITUNG FÜR KARLSRUHE und REGION
Monatlich & Kostenfrei