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Interview mit Klaus E.R. Lindemann - Vorstand der Majolika-Stiftung Drucken E-Mail

Geboren in Posen, aufgewachsen in Kiel, Abitur am Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe, Studium (Politische Wissenschaft, Soziologie und Neuere Geschichte)

in Heidelberg. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Bundestages. Journalistische und verlegerische Arbeit, u.a. Herausgeber der Karlsruher Jahreschronik ?Tagebuch der Fächerstadt" (1977-2008). Initiator verschiedener Literatur- und Kunstwettbewerbe. Internationale Consulting-Tätigkeit für Städte, Regionen, kulturelle Institutionen und Großveranstaltungen. Langjähriger Tourismusdirektor der Landeshauptstadt Stuttgart und Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH und der Marketinggesellschaft der Region Stuttgart. Gründungsvorstand der Majolika-Stiftung.

 r
aumK:

Nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten ging die Staatliche Majolika Karlsruhe GmbH im September dieses Jahres in eine Stiftung über. Wie sieht das Stiftungsmodell aus?

 Lindemann:

Die neu gegründete Majolika-Stiftung ist eine Körperschaft des bürgerlichen Rechts, sie ist gemeinnützig und sie ist alleiniger Gesellschafter der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe GmbH. Damit wurde ein neues Kapitel für die traditionsreiche Majolika aufgeschlagen, die ja inzwischen schon über 110 Jahre alt ist. Das Stiftungsmodell ist ein Fördermodell, d.h. aus den Erträgen, die das Stiftungskapital erbringt, erfolgt die künstlerische Förderung. Daneben arbeitet die Majolika-Manufaktur, die in ihrer Form einzigartig ist in Deutschland, als Hersteller von hochwertigen, anspruchsvollen Keramik-Produkten und versucht, sich dafür neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen.

 raumK:

Wer beteiligt sich neben der Stadt Karlsruhe noch an der Stiftung?

 Lindemann:

Das sind die Sparkasse Karlsruhe, Banken, bedeutende Unternehmer sowie private Förderer.

 raumK:

Sie hatten bereits darauf hingewiesen, dass die Majolika in diesem Jahr ihr 110-jähriges Jubiläum begeht. Bei ihrer Gründung 1901 durch Großherzog Friedrich I und unter ihren Initiatoren Hans Thoma und Wilhelm Süs stand die Kunst als Ziel im Mittelpunkt. Wird dieser Ansatz für Ihre zukünftige Arbeit wieder zum Vorbild?

 Lindemann:

Die Stiftung trägt den Namen "Majolika-Stiftung für Kunst- und Kulturförderung Karlsruhe". Damit sind Programm und Zielrichtung klar vorgegeben und damit wird deutlich signalisiert, wohin die Stiftung will und welches Niveau verbindlich sein soll. Ein Majolika-Produkt muss immer etwas Besonderes, etwas Wertvolles sein, das man nicht unbedingt braucht, aber das man doch sehr gerne haben oder verschenken möchte. Eine Majolika-Arbeit muss immer ein absolutes Premium-Produkt sein und unverwechselbar ? eben ein echtes Karlsruher Majolika-Stück.

 raumK:

Die verschiedenen Ansätze in den vergangenen Jahren, die Majolika wieder auf einen stabilen wirtschaftlichen Kurs zu bringen, blieben ohne durchschlagenden Erfolg. Worauf beruht Ihr Optimismus, dies in den kommenden Jahren zu erreichen?

 Lindemann:

Leicht wird dies nicht sein, denn Kunst und Kultur rechnet sich nie materiell. Die Majolika als kulturelle Einrichtung war fast immer ein Zuschussbetrieb. Sie wird auch künftig als Kunst-Werkstatt auf Förderung angewiesen sein, was aber nicht heißt, dass sie sich nicht auch neue attraktive Kundenpotentiale erschließen kann, die sie in eine wirtschaftlich sicherere Zukunft führen. Um ein paar Beispiele zu nennen: die Kunst am Bau ist leider durch den Wegfall gesetzlicher Auflagen immer weniger geworden, aber dennoch wird weiterhin viel gebaut. Hier muss die Majolika versuchen, sich verstärkt durch neue interessante Angebote und eine intensive und kompetente Akquisition wieder ins Spiel zu bringen. Auch gibt es wunderbare öffentliche und private Plätze, die für eine Ausgestaltung mit Majolika-Kunstwerken ? ich denke an Brunnen, Figuren usw. ? prädestiniert sind. Aber auch im privaten Bereich gibt es Tausend Möglichkeiten, Gärten, Häuser, Wohnungen usw. mit Majolika-Produkten zu verschönern. Früher gehörte es nicht nur in Karlsruhe zum guten Ton, ein schmuckes Stück Majolika im Haus zu haben ? vom großen Kachelofen, über das Badezimmer bis hin zu Weinkühler, Obstschale oder Espressotasse. Dahin wollen wir wieder kommen aber mit eindeutigem künstlerischen Touch und klarer Linie. Dafür ist es notwendig, die von Hans Thoma begründete Tradition weiterzuführen, aber auch durch zeitgenössische Künstler neu zu beleben. Die alte Majolika muss jünger werden.

 raumK:

Ganz entscheidend für die Akzeptanz im Zielmarkt Kunst werden Künstler und Künstlerinnen mit hohem Renommee sein, die für die Majolika arbeiten, was ja bereits teilweise der Fall war und ist. Wie wollen Sie dieses Konzept weiter ausbauen?

 Lindemann:

Die Majolika verfügt ja bereits über einen großen Stamm von angesehenen und auch international hoch geschätzten zeitgenössischen Künstlern. Dies soll auch künftig so sein. Was der Majolika momentan fehlt, ist ein eindeutiges Profil und eine stärkere und effizientere Marktpositionierung. Schließlich müssen die Kunstwerke, die die Majolika herstellt, auch verkauft werden. Dies setzt eine überzeugende Angebotspalette und eine gute Marketingarbeit voraus. Aber auch, wenn das funktioniert, wird man die Majolika nicht von heute auf morgen sanieren können. Dafür braucht man einen längeren Atem. Wir haben uns einen Fünf-Jahresplan vorgenommen, den wir konsequent verfolgen werden. Hierbei wird es wichtig sein, dass es der Majolika gelingt, ihr Alleinstellungsmerkmal zu stärken und prononcierter darzustellen. Auch durch unseren neuen künstlerischen Beirat, das Majolika-Kuratorium, hoffen wir, neue Impulse geben zu können. Das Stiftungs-Kuratorium ist ein Novum für die Majolika und für die zukünftige künstlerische Ausrichtung der Majolika ein sehr wichtiges Gremium.

raumK:

Wie wird sich dieser Beirat personell zusammensetzen?

 Lindemann:

In seiner Sitzung am 8. November hat der Stiftungsrat sieben Persönlichkeiten, die den Zielen der Stiftung in besonderer Weise verbunden sind, zu Mitgliedern des Kuratoriums berufen. Zu ihnen gehören Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Prof. Stephan Balkenhol, Rigo Fay, Dr. Irmela Franzke, Prof. Dr. Konrad Krimm, Prof. Axel Müller-Schöll und Kulturbürgermeister Wolfram Jäger. Das Kuratorium wird auch die Aufgabe haben, die Preisträger eines jährlich zu vergebenden Majolika-Keramik-Preises auszuwählen.

 raumK:

Lässt sich also zusammenfassend sagen, dass die Majolika im 110ten Jahr ihres Bestehens einen Neustart im Sinne ihrer Gründungsväter vollzieht?

 Lindemann:

Unbedingt. Vor uns liegen schwierige, aber natürlich auch sehr interessante, spannende Zeiten. So gesehen ist es nicht nur ein Aufbruch zum Ursprung, sondern auch ein echter Neubeginn. Dafür wollen wir uns von Seiten der Stiftung mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften engagieren. Die Majolika ist ein Juwel. Wir wollen versuchen, sie mit neuen Ideen zu altem Glanz zu führen. Ob uns dies gelingen wird, weiß ich nicht, aber einen Versuch ist es allemal wert.

 raumK:

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. (Bernhard Schmitt)

 FOTO: ONUK

Nr.108/2011

 
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